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Klavier, Orgel und Bratsche waren Beethovens

Bonner Instrumente. An den Tasten hatte er bald außergewöhnliche Fähigkeiten entwickelt, die die größten Pianisten der Zeit in höchsten Tönen lobten. Als Bratschist lernte der Orchestermusiker Beethoven in der Bonner Hofkapelle das Repertoire der Zeit nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis kennen. Als er im November 1792 nach Wien reiste, verließ er Bonn als außergewöhnlicher Musiker mit besonderen Fähigkeiten, die in der Kaiserstadt von Anfang an großen Eindruck machten.
Klavier, Orgel und Bratsche waren Beethovens

 

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Wenn Sie mehr über Beethoven in Bonn erfahren wollen:

Im März 2020 ist von Stephan Eisel das "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer Übersetzung) erschienen, im Sommer 2020 erscheint von ihm das "große" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (über 550 Seiten).

 

Im Bonner General-Anzeiger ist zum Beethoven-Jubiläumsjahr eine mehrteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen: 

 

 

 

 

 

Stephan Eisel

Der Bonner Musiker Beethoven (oder: An Tasten und mit Saiten)

 „An einem Abend spielte am Hof Beethoven ein Klavierkonzert von Mozart und bat mich, die Seiten umzublättern. Aber ich war ständig damit beschäftigt, die gerissenen Saiten aus dem Klavier herauszuziehen, während die Hämmer in den gerissenen Saiten festhingen. Beethoven bestand darauf, das Konzert fertig zu spielen, und so sprang ich hin und her, um Saiten herauszuziehen, Hämmer zu entwirren, Seiten umzublättern und arbeitete härter als es Beethoven tat.“

Was sein gleichaltriger Musikkollege Anton Reicha, hier aus den gemeinsamen Bonner Tagen schildert, wirft ein Schlaglicht auf Beethovens mit Leidenschaft gepaartes außergewöhnliches Talent als Musiker. Sein Lehrer Christian Gottlob Neefe hatte dem Zwölfjährigen bereits 1783 attestiert: „Er würde gewiß ein zweyter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so fortschritte, wie er angefangen.“

Schon in frühem Alter hatte Ludwig van Beethoven das pianistisch sehr anspruchsvolle Wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach gespielt. Später erinnerte sich dazu der Bonner Musiker und Verleger Nikolaus Simrock, der schon 1776 eine Abschrift der noch nicht gedruckten Komposition besaß: „Die Präludien und Fugen verehrte ich dem jungen Beethoven im neunten Jahr seines Alters unter der Bedingnis, daß er mir bald etwas davon spielen möge, welches auch eben nicht lange währte. Er studierte täglich mit ganzer Seele daran!“

Seinem Schüler Carl Czerny erzählte Beethoven in Wien, er habe in Bonn „in seiner Jugend Tag und Nacht geübt“. Bach blieb dabei für ihn ein zentraler Bezugspunkt. Später sagte er einmal: „nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen, wegen seines unendlichen unausschöpfbaren Reichthums von Toncombinationen und Harmonien.“

Als Siebenjähriger absolvierte Beethoven in Köln seinen ersten öffentlichen Auftritt am Klavier. Sein erster Lehrer war der eigene Vater. Wohl auch weil er aus eigener Anschauung den fordernden Berufsalltag eines Hofmusikers kannte, wollte er seinem Sohn das unverzichtbare musikalische Handwerkszeug mit auf den Weg geben, auf das auch der überdurchschnittlich Talentierte nicht verzichten kann. Dabei legte er Wert auf Disziplin. So erzählt Bäckermeister Gottfried Fischer – Sohn des Vermieters der Beethovenschen Wohnung in der Rheingasse – über den Geigenunterricht: „Ludwig spielte mal ohne Nohten, zufällig kam sein Vater herein, sagt, was kratz du denn da wider Dummes Zeüg durcheinander, du weis das ich das gar nicht leiden kann, kratz nach den Nohten, sonst wird dein kratzen wenig nutzen.“

Von dem Bäckermeister wissen wir auch, dass der Vater schon früh das außergewöhnliche Talent seines Sohnes erkannt hatte: „Joh: v: Beethoven mit dem Ausdruck mehrmal gesagt, mein Sohn Lutwig da habe ich getz meine einzige Freüde, er nimmt in der Musick und Componiren so zu, er wird von alle Bewunderungswürtig angesehen. Mein Lutwig, Mein Lutwig, ich sehe es ein. Er wird mit der Zeit ein großer Mann in der Weld werde.“

Es gehört zu den Verdiensten von Johann van Beethoven, dass er sich früh eingestand, seinem talentierten Sohn nichts mehr beibringen zu können, und andere Lehrer suchte. Neben dem hochbetagten Hoforganist Gilles van den Eeden und den jungen Hofmusikern Tobias Friedrich Pfeifer sowie Franz Georg Rovantini waren dies für den Orgeldienst, den Beethoven schon früh begann, Pater Willibaldus in der damaligen Franziskanerkirche in der Stockenstraße (1794 säkularsiert, dann als Lager genutzt, später Wohnungen und Büros, im 2. Weltkrieg zerstört) und an der größeren Orgel in der Minoritenkirche (heute Remigiuskirche) Pater Hanzmann. Dort spielte Ludwig auch häufig die Frühmesse um 6 Uhr. Der Spieltisch dieser Orgel befindet sich heute im Beethoven-Haus.

Ab 1782 kam der neue Hoforganist Christian Gottlob Neefe als wohl einflussreichster Bonner Beethoven-Lehrer dazu. Er war als Komponist und Musikdirektor eine feste Größe im deutschen Musikleben, und der junge Beethoven vertrat ihn bald an der Orgel. Neefe schrieb damals an einen Bekannten: „Ich spiele nun mit dem jungen Beethoven, der ein vortrefliches Talent besitzt, wechselweise die Orgel.“ Dem Breslauer Organist Karl Gottlieb Freudenberg sagte Beethoven 1825: „[Ich] spielte in meiner Jugend viel die Orgel … Einen Organisten stelle ich, wenn er Meister seines Instruments ist, unter den Virtuosen oben an.“

Neefe übertrug Ludwig van Beethoven schon früh auch die Aufgabe der musikalischen Leitung von Theaterproben am Cembalo. So übernahm dieser im Alter von nur 12 Jahren die Rolle des begleitenden Cembalisten und spielte als Korrepetitor die Orchesterpartitur, wenn Sänger, Tänzer oder Schauspieler am Theater ihre Rollen einstudierten. Dies belegt nicht nur sein schon damals außergewöhnliches Talent, sondern zeigt auch, wie weit Beethovens Ausbildung damals schon vorangeschritten war. Mit seiner in Bonn erlernten Fähigkeit selbst schwere Partituren vom Blatt zu spielen, beeindruckte er auch in Wien seine  Zuhörer immer wieder.

1784 wurde Ludwig van Beethoven als stv. Hoforganist Mitglied der Bonner Hofkapelle und damit Berufsmusiker. Wie Gottfried Fischer berichtet, war dies auch mit einer Uniform als besonderem Statussymbol verbunden: “See grüne Frackrock, grüne, kurze Hoß mit Schnalle, weiße Seite oder schwarze Seide Strümpf. Schuhe mit schwarze Schlöpp, weiße Seide geblümde West mit Klapptaschen, mit Shappoe, das West mit ächte Goldebe Kort umsetz, Fisirt mit Locken und Haarzopp, Klackhud, unterm linken Arm sein Dägen an der linken seite mit einer Silberne Koppel“.

Beethovens pianistische Entwicklung war in der Bonner Zeit atemberaubend, wobei er sich vor allem als Autodidakt weiterentwickelte, denn an den Tasten übertraf er bald seine Lehrer. Auch seine Kompositionen waren inzwischen weit über Bonn hinaus bekannt. So bewarb die Wiener Zeitung schon am 13. August 1791 – also über ein Jahr vor seiner Ankunft in der Kaiserstadt – Beethovens Vierundzwanzig Variationen über die Ariette "Venni Amore" von Vincenzo Righini für Klavier WoO 65.

Um dieses Werk ging es auch beim Besuch einiger Hofmusiker – darunter Beethoven - bei dem renommierten Pianisten, Komponisten und Kapellmeister Franz Xaver Sterkel in Aschaffenburg, als die Bonner Hofkapelle nach Mergentheim reiste. Nikolaus Simrock erinnert sich daran, dass Sterkel dabei den Wunsch gehabt habe „besonders seine unlängst in Maynz gestochenen Variationen über das Thema von Righini, Vieni Amore, von ihm [Beethoven] selbst spielen zu hören: daß er gestehe, sie seyen ihm zu schwer, er könne sie nicht spielen – darauf suchte Herr Sterkel in einem Pack Musik, konnte aber das Exemplar nicht finden; wir hatten nun etwas Mühe Beethoven zu bewegen, daß er solche auswendig spielen möge. Es schien uns allen, Herr Capellmeister glaubte, Beethoven habe sie zwar geschrieben, könne sie aber vielleicht selbst nicht spielen. Dies bemerkte Beethoven selbst. Nun setzte er sich und spielte sie zum Erstaunen der gegenwärtigen Bönnischen, die ihn noch nie so gehört, ganz in der Manier des H. Capellmeister mit der größten Zier und brillanten Leichtigkeit, als seyen diese schweren Variat. wirklich ebenso leicht wie eine Sterkelsche Sonate, und hängte hieran noch ein paar ganz neue! Herr Capellmeister war in seinem Lobe unerschöpflich …“

1789 begann Beethoven seinen zusätzlichen Orchesterdienst als Bratscher. Ein Virtuose musste er auf diesem Instrument nicht sein, denn in der amtlichen Orchesterbeschreibung hieß es damals: „Konzertierende Bratschen werden von konzertspielenden Violinisten gespielt.“ Im Juli 1791  wurde Beethoven  bei einer Auflistung der Hofmusiker so häufig genannt wie kein anderer, nämlich gleich an drei Stellen: als Organist, Bratschist und mit dem Hinweis „Klavierkonzerte spielt Hr Ludwig v. Beethoven“. Beethovens Dienst-Bratsche ist übrigens heute ein wichtiges Ausstellungsstück im Bonner Beethoven-Haus.

Als Orchestermusiker lernte Beethoven nicht nur das neueste Repertoire durch eigenes Mitspielen kennen, sondern gehörte zugleich einem außergewöhnlichen Klangkörper mit damals etwa 40 Musikern an. So hieß es im November 1791 in der Musikalischen Korrespondenz der Teutschen Filharmonischen Gesellschaft über die Bonner Hofkapelle: „Das Orchester war vortreflich besezt; besonders gut wurde das Piano und Forte, und das Crescendo in obacht genommen. …Eine solche genaue Beobachtung des Piano, des Forte, des Rinforzando, eine solche Schwellung, und allmählige Anwachsung des Tons, und dann wieder ein Sinkenlassen desselben, von der höchsten Stärke bis zum leisesten Laut, …. Besonders wird man nicht leicht ein Orchester finden, wo die Violinen und Bässe so durchaus gut besezt sind, als sie es hier waren.“

Auf den Komponisten Beethoven hatte die Erfahrung des Orchestermusikers großen Einfluss. Er schrieb für einen Klangkörper, den er selbst aus dem Innenleben kannte. Zugleich waren an den Solo-Instrumenten Klavier und Orgel seiner improvisatorischen Kreativität kaum Grenzen gesetzt.  Der Bonner Beethoven-Freund Franz Gerhard Wegeler erinnerte sich später: „Als Beethoven einst im Breuningschen Hause phantasirte, (wobei ihm häufig aufgegeben ward, den Charakter irgend einer bekannten Person zu schildern,) drang man dem Vater Ries eine Violine auf, um ihn zu begleiten. Nach einigem Zögern gab dieser nach und so mag wohl damals zum ersten Mal von zwei Künstlern zugleich phantasirt worden sein.“

Auch der mit Beethoven seit den frühen Wiener Jahren gut bekannte Ignaz Xaver Ritter von Seyfried beschrieb dieses besondere Talent des Bonner Neuankömmlings: „Aber das eigentliche Feld der Ehre des genialen Kunstjüngers war die freye Phantasie, und die Fertigkeit, ein aufgegebenes Motiv zu bearbeiten, und thematisch durchzuführen.“

Ähnliches brichtete der hochgeachtete Pianist Abbé Joseph Gelinek, über den zwanzig Jahre jüngeren Beethoven Mitte 1793 nach einem Klavier-Duell: „Er phantasierte auf ein von mir gegebenes Thema, wie ich selbst Mozart nie phantasieren gehört habe … und er bringt auf dem Klavier Schwierigkeiten und Effekte hervor, von denen wir uns nie etwas haben träumen lassen.“

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Beethoven Bonn im November 1792 als außergewöhnlicher Musiker verließ und vom Rhein nach Wien die besonderen Fähigkeiten mitbrachte, mit denen er in der Kaiserstadt von Anfang an großen Eindruck machte.

 

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Do 05.1119:30 Uhr Musiktheater "Schwanen-Flügel Schwarz" zu Beethoven und Schubert Trinitatiskirche Endenich (Brahmsstr. 14, 53121 Bonn)
Di 10.1119:00 Uhr Mitgliederversammlung der Bürger für Beethoven Rheinhotel Dreesen
Di 17.1119:00 Uhr Beethoven Piano Club –32. Konzert Pantheon Bonn (Siegburger Str. 42, 53229 Bonn)
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