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Als der weltberühmte Pianist Franz Liszt im Juli 1845 nach Bonn

23. Juli 2012
kam, wirbelte er die Geburtsstadt Beethovens gehörig durcheinander. Wer die Berichte der Zeitzeugen über das erste Beethovenfest und das erste Beethoven-Festspielhaus liest, denkt unweigerlich die Situation heute. Hector Berlioz sagte über das Wirken seines Freundes Franz Liszt 1845 in Bonn: „ … die Lauen feuerte er an, den Gleichgültigen versuchte er Geschmack einzuflößen …“
Als der weltberühmte Pianist Franz Liszt im Juli 1845 nach Bonn
Franz Liszt um 1845 auf einer zeitgenössischen Fotografie

 Den ausführlichen Text der Liszt-Biografie von 1887 zu den Ereignissen in Bonn können Sie hier lesen.

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken

Stephan Eisel

Im Juli 1845 verhalf Franz Liszt Beethoven in Bonn zum Durchbruch:

 „… die Lauen feuerte er an, den Gleichgültigen ver­suchte er Geschmack einzuflößen …“

Hector Berlioz über Franz Liszt 1845 in Bonn

In der letzten Juli-Woche 1845 kam der damals weltbekannte Pianist Franz Liszt nach Bonn, um die letzten Vorbereitungen für das erste Beethovenfest anlässlich der Enthüllung des Beethovendenkmals auf dem Münsterplatz am 12. August 1845 zu treffen. Liszt hatte sich ab 1839 für dieses Denkmal eingesetzt und es wesentlich mitfinanziert. Beethovens Geburtsstadt hatte er wohl erstmals zwischen 1841 und 1843 im Rahmen seiner mehrwöchigen Aufenthalte auf der Insel Nonnenwerth besucht.

Die erste Begegnung mit Beethovens Werk hatte Franz Liszt als Elfjähriger 1822/23 im Kla­vierunterricht bei Carl Czerny. Später spielte und dirigierte er immer wieder Werke Beetho­vens, komponierte zwei Beethoven-Kantaten, verbreitete dessen Sinfonien durch Klavierbear­beitungen und war als Herausgeber wesentlich an der ersten Beethoven-Gesamtausgabe betei­ligt. Schon 1840 hatte Liszt geschrieben: „Der Name Beethoven ist heilig in der Kunst.“ 

Als Liszt 1839 dem vier Jahre zuvor von Bonner Bürgern gegründeten Komitee für ein Beethoven-Denkmal beitrat, wurde er zur treibenden Kraft: „Nach seiner Idee durfte die Fei­erlichkeit nicht lokal, auch nicht exklusiv musikalisch oder exklusiv national bleiben: sie soll­te dem Genius des großen Meisters entsprechend auf breiter Basis sich bewegen und einen in­ternationalen Charakter tragen.“ So schildert  es Lina Ramann 1887 in ihrer von Franz Liszt autorisierten Biographie und sie fährt über die Bonner Vorgänge 1845 fort: 

„Der erste auf dem Platz war Dr. Liszt. Er traf schon in der letzten Woche des Monats Juli ein. Die getroffenen Vorbereitungen jedoch – das gewahrte sofort sein an das Große gewöhn­ter Blick – waren der Feier nicht angemessen. Man hatte die Reitbahn zur Aufführung der Koncerte gewählt und bereits geschmückt, ohne dabei an Akustik und eine große Zuhörer­schaft, geschweige an eine auch nach außen hin festliche Repräsentation zu denken. In einer gelinden Verzweiflung besah Liszt alle in Vorschlag gebrachten Lokalitäten, wobei jedesmal die Komitéherrn meinten, man könne ihnen schon in kürzester Zeit ein festliches Ansehen ge­ben. 

Schnell entschlossen erklärte jedoch Liszt: es müsse eine Festhalle noch gebaut werden. »Aber das Geld? und bis zum 11. August?!« riefen die Herren bestürzt unter einander. »Dafür werde ich sorgen: ich werde jedes Deficit decken« – entgegnete Liszt rasch, was die Herrn, wenn auch nicht zur frohen Zustimmung, so doch zum Schweigen brachte. 

Anderntags war er mit dem am Kölner Dombau beschäftigten tüchtigen und energischen Ar­chitekten und Baumeister Zwirner zur Stelle. Ein zu einer Festhalle passend gelegener Gar­tenplatz war bald gefunden. Ebenso schnell waren die unter Zwirner's Leitung stehenden Ar­beiter mit ihren Baugeräthschaften auf dem Platz, die Bäume wurden ausgegraben, der Grund geebnet, Bauholz von den Flößern auf dem Rhein herbeigebracht, in Köln Dekorationen ge­fertigt und wie ein Wunder über Nacht stieg die Festhalle gleich einem Märchenpalast aus dem Nichts empor. 

Im Zeitraum von elf Tagen war sie fertig, ein Bau von zweihundert Fuß Länge und fünfund­siebzig Fuß Breite, achtzehnhundert Quadratfuß Flächenraum mehr enthaltend als der Gürze­nich in Köln. … Die Akustik war vortrefflich und schon am 8. August schwang Spohr, die erste Probe haltend, im Saale den Taktstock.“ 

Über das erste Beethovenfest berichtete die Chronistin dann:

“Und in der That, es war eine nahezu europäische Beethoven-Gemeinde, die sich in seiner Geburtsstadt ihm zu Ehren versammelte. Hunderte von Tonkünstlern, Musikfreunden, Dich­tern und Gelehrten fanden sich aus allen Theilen Deutschlands, Frankreichs, Englands, Schottlands, aus Rußland, Holland und Belgien in der kleinen Rheinstadt zusammen, nur ein­zig und allein getrieben von glühendster Bewunderung für den mächtigsten der Tonfürsten moderner Zeit. Auf eine derartige Versammlung hatte man in Bonn nicht gerechnet.„ 

Abschliessend fehlte nicht der Hinweis: „Nach dem Rechnungsabschluss des Beethoven-Ko­mités ergab sich trotz des Neubaus der Festhalle kein Deficit, wohl aber blieb ein kleiner Überschuss.“

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