Volltextsuche:

In einem ausführlichen Bericht hat DEUTSCHLANDFUNK KULTUR

die Rolle der BÜRGER FÜR BEETHOVEN bei den Vorbereitungen auf das Jubiliäumsjahr 2020 beschrieben und dabei auch das Verhältnis Bonns zum größten Sohn der Stadt beleuchtet. Anlass war das Klavier-Kabarett von Stephan Eisel "... niemals geht am so ganz" zum 225. Jahrestag des Abschieds von Beethoven aus Bonn am 1. November 1792.
In einem ausführlichen Bericht hat DEUTSCHLANDFUNK KULTUR

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

Den Beitrag in DEUTSCHLANDFUNK-KULTUR können Sie hier anhören.

 

Deutschlandfunk-Kultur (Länderreport)  vom 14.11.2017

Späte Würdigung zum 250. Geburtstag Bonn entdeckt Beethoven doch noch für sich

Von Moritz Küpper

Lange hat sich Bonn wenig um den berühmtesten Sohn der Stadt gekümmert. Mit den Feiern zum 250. Geburtstag des Komponisten soll sich das ändern: Ludwig van Beethoven soll zum Aushängeschild der Stadt werden.

Ein Altbau im schicken Bonner Stadtteil Poppelsdorf am 1. November. Rund 60 Menschen, vorzugsweise aus der zweiten Lebenshälfte, sind gekommen. Geschwungene Holzstühle, tiefe Sofas, Parkettboden und Bücherregale an der Wand erzeugen Salon-Atmosphäre – genauso wie die Klavierklänge.
Am Klavier sitzt Stephan Eisel. Der 62-Jährige, einst Redenschreiber und stellvertretender Leiter des Kanzler-Büros unter Helmut Kohl, später dann als Nachrücker CDU-Bundestagsabgeordneter, ist seit April 2013 Vorsitzender des Kulturvereins "Bürger für Beethoven" – und in der Rolle auch Klavierkabarettist.

"Wir erinnern heute an die Abschiedsparty, die Ludwig van Beethoven vor 225 Jahren, auf den Tag genau, gegeben hat. Im Zehrgarten, am Bonner Marktplatz. Und deshalb wird es heute eine Reihe von Abschiedsliedern geben. Sie sind dann auch herzlich eingeladen, diejenigen, die sie kennen, mitzusingen. Eine Stimme hat jeder."

Erstes Gelächter im Publikum. "...niemals geht man so ganz: Wie Beethoven vor 225 Jahren Bonn verließ" so der Titel der Veranstaltung, die – trotz doppelter Aufführung an diesem Tag – beide Mal komplett ausgebucht ist. Am 1. November 1792 verließ der nunmehr bekannteste Sohn der Stadt seine Heimat, um nach Wien aufzubrechen. 22 Jahre lang lebte Beethoven in Bonn – und an diese Jahre erinnert Eisel nun, launig-musikalisch untermalt, und hofft bei seinen Klavier- und Gesangskünsten auf die Gnade des Besungenen:

"Dass Beethoven viel Sinn für Humor hatte und auch musikalische Witze und unterhaltsame Dinge, ist klar. Und er hat ja mal selber gesagt, es kommt auf die innere Haltung an und wenn man sich mal verspielt, ist es Zufall. Also, insofern würde ich auf Gnade hoffen."

Bürger retten das Beethovenfest

Und eigentlich geht es Eisel ja auch um etwas anderes: Als Verein wollen sie auf Beethoven aufmerksam machen, auf seine Verbindung zur Stadt Bonn, …

"… weil in Bonn traditionell das Bürgerengagement für Beethoven immer größer war als das der offiziellen städtischen Institutionen."

Und da liegen auch die Wurzeln des Vereins "Bürger für Beethoven": Im Jahr 1993 kürzte die Stadt Bonn die Unterstützung des traditionellen Beethovenfestes, das erstmals 1845 stattgefunden hatte. Daraufhin gründete sich eine Rettungsinitiative, die das Fest dennoch stattfinden ließ – der Vorläufer des heutigen Vereins. 

"Die Bürger realisieren viel mehr, dass Beethoven der größte Bonner Sohn ist. Dass er länger in Bonn war als Mozart in Salzburg und vermissen, dass man mehr aus diesen Chancen macht."

Mittlerweile ist der Verein ein echter kulturpolitischer Faktor:

"Wenn Sie mal überlegen: So ein an sich Spezialisten-Verein wie die Bürger für Beethoven hat 1560 Mitglieder, mehr als Karnevalsvereine, Sportvereine. Dann sehen Sie ja die Identifikation der Bürger, wenn Sie merken: Ich kann durch die Mitgliedschaft, durch mein Engagement was bewegen. Und wir versuchen halt die offiziellen Stellen, die Verwaltung, die manchmal etwas Status-Quo verliebt ist, so ein bisschen auf Trab zu bringen."
Und Beethovens Bonner Geschichte den Menschen nahezubringen – und sei es eben am Klavier.

"Beethoven hat sich immer zu Bonn bekannt"

Am 17. Dezember 1770 in Bonn geboren erhielt Beethoven eine Musikausbildung von seinem Vater, der in der Hofkapelle am kurfürstlichen Hof in Bonn tätig war. Im Alter von sieben Jahren trat Beethoven zum ersten Mal öffentlich als Pianist auf. Es folgte eine erste Studienreise nach Wien, um Kompositionsschüler Mozarts zu werden, doch ob er ihn traf, ist unklar. Beethoven kehrte zurück, wurde später Organist und Bratschist an der Bonner Hofkapelle. Für Eisel ist klar: Bonn war seine Heimat.
"Beethoven selber hat sich immer zu Bonn bekannt, gibt viele Briefe, wo das deutlich geworden ist – und er hat noch in Wien vor seinem Tod Briefe unterschrieben mit: Beethoven, Bonnensis – Beethovener der Bonner."

Doch das war er damals nicht mehr. Denn: Nach eben jenem Abschiedsabend im Jahr 1792 vor seiner zweiten Studienreise nach Wien kam er nicht mehr zurück.
"Der Beethoven wollte zurück, aber dann kamen die Franzosen. Die Franzosen haben Bonn besetzt. Den Kurfürsten zum Teufel gejagt, den Hofstaat aufgelöst und damit auch das Orchester. In das moderne Deutsch übersetzt: Die Planstelle war weg. Beethoven hatte keine Möglichkeit mehr, nach Bonn zurückzukommen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Deswegen ist er in Wien geblieben. Sagen Sie das jedem Wiener, der Ihnen begegnet … Es ist so. Es ist so. Und wenn Sie einen Spielfilm sehen, wo Beethoven hochdeutsch spricht oder gar wienerisch. Das ist natürlich absoluter Quatsch. Beethoven hat nachweislich ein ganz breites Bönnsch gesprochen."
Um die Anerkennung und Bedeutung Beethovens für seine Geburtsstadt muss man sich an diesem Abend keine Sorge machen – wohl aber generell, meint auch Eisel.
"In Bonn selber, was die Bürgerschaft betrifft, ist da durchaus ein Fundament da. Aber wenn man ansonsten durch die Stadt Bonn geht, wird man kaum damit konfrontiert. Und das muss sich eben ändern."
Eisel kann genug Beispiele nennen: Beethovens Elternhaus musste einst durch eine Privatinitiative vorm Abriss bewahrt werden, der – durch private Gelder finanzierte – Bau eines Festspielhauses, um Beethovens Musik im großen Rahmen spielen zu lassen, scheiterte an Vorgaben der Verwaltung, was dann auch im Abschluss des Liederabends thematisierte wurde.

Das Aushängeschild für Bonn

Und dennoch hat auch Eisel Hoffnung: Denn im Jahr 2020 feiert die Stadt den 250. Geburtstages seines berühmtesten Sohnes. Dafür wurde eigens eine GmbH gegründet – um ein Jahr lang Veranstaltungen zu koordinieren. 
"Das ist jetzt schon eine Chance: Jetzt muss man aufpassen, dass das Jubiläumsjahr 2020 nicht ein einmaliges Ereignis ist, sondern dass das ein Startschuss ist. Wenn Sie heute nach Bonn kommen und Sie stehen nicht vor dem Beethoven-Denkmal oder dem Geburtshaus, wissen Sie nicht, dass Sie in der Beethoven-Stadt Bonn sind. Solche Dinge müssen sich ändern, da muss ein Beethoven-Rundgang her, man muss erleben, dass man in der Beethoven-Stadt ist – und zwar durchaus modern, nicht nur historisch, sondern modern und zeitgemäß und da gibt es noch sehr, sehr viel zu tun und damit ist ja auch eine große wirtschaftliche Chance verbunden."

"Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich freue mich, dass die Themenwahl der heutigen Veranstaltung offensichtlich großes Anklang gefunden hat." Ein prallgefülltes Auditorium, wenige Wochen zuvor, bei einer Diskussionsveranstaltung der "Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik", bei der der ehemalige CDU-Bundesgeschäftsführer, Willi Hausmann, die Einführung hält. "Der Abend steht ganz im Zeichen unserer Stadt: Beethoven – und dann? Zukunftsperspektiven der Bundesstadt Bonn."
Neben Vertretern des Bundes und des Landes NRW sitzt auch Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridahan auf der Bühne. Eine Studie, so der OB, habe ergeben, dass Bonn für zwei Faktoren stehe… "…, nämlich einmal Beethoven und für die Internationalität. In Kürze beginnt unsere neue Imagekampagne, die den weltweit bekannten Namen Beethoven mit jenem Bonns verknüpfen soll."
Zustimmendes Nicken im Publikum. Für Sridharan ist klar: Bonn steht als UN-Standort für die Internationalität, hat – auch durch das Bonn-Berlin-Gesetz und trotz der Abwanderung im Zuge des Hauptstadt-Verlustes – eine gute wirtschaftliche Lage. Jetzt will die Stadt endlich seinen Beethoven angemessen würdigen – und nutzen. "Beethoven ist der größte Sohn unserer Stadt und wir feiern 2020 seinen 250. Geburtstag, sind mitten in den Vorbereitungen, haben mit dem Bund, dem Land und dem Rhein-Sieg-Kreis eine Gesellschaft gegründet, die dieses Fest ja wirklich hervorragend vorbereitet."

RSS

UNSER LUDWIG

UNSER LUDWIG

Nächste Termine

Mi 29.0819:30 Uhr Vorstand
(nur auf Einladung)
Rheinhotel Dreesen

BEETHOVEN bei den PEANUTS

BEETHOVEN bei den PEANUTS

Beethoven JubiläumsGmbH

Beethoven JubiläumsGmbH

250. Geburtstag Beethovens

250. Geburtstag Beethovens
 

Frühere Artikel

28. Dez 2017

Erfolgreich war das Beethovenjahr 2017

aus Sicht der BÜRGER FÜR BEETHOVEN vor allem, durch den neuen Schwung, den Generalmusikdirektor Dirk Kaftan und der künstlerische Geschäftsführer der JubiläumsGmbH Christian Lorenz in die Beethovenstadt brachten. Die BÜRGER FÜR BEETHOVEN konnten 2017 über 200 Neueintritte verzeichnen. Der Verein mit 1571 Mitgleidern - über den Kulturbereich hianus - der größte ehrenamtlich geführte Verein in Bonn und der Region. Lesen Sie mehr…
16. Dez 2017

Die Vorbereitungen für das Beethoven-Jubiläum 2020

nehmen Fahrt auf. Das ist auch dringend notwendig, denn die Feiern zum 250. Geburtstag des großen Komponisten beginnen in nur zwei Jahren. Dabei ist es ein überzeugender Ansatz, ausgehend von den Initialen BTHVN Beethoven als Bonner, Tonkünstler, Humanist, Visionär und Naturfreund in seiner ganzen Vielfalt zu thematisieren. Die auf den Weg gebrachte Realisierung eines längst überfälligen modernen und sichtbaren Beethoven-Rundgangs und das an Beethovens Naturverbundenheit anknüpfende internationale Pastorale-Projekt sind dabei die beiden ersten besonderen Leuchttürme. Lesen Sie mehr…
04. Dez 2017

" ... nach Tahiti, Grönland und Calcutta" wollte Beethoven den Druck

seiner Hammerklaviersonate schicken lassen und so ist eine neue Broschüre der BÜRGER FÜR BEETHOVEN betitelt. Darin geht es um das internationale Netzwerk Beethovens.  Er hatte schon zu seinen Lebzeiten Kontakte in 24 Staaten in Europa und Übersee. Das war für das Zeitalter der Postkutsche bevor Telefon oder Eisenbahn Grenzen überschritten völlig ungewöhnlich. Autor der Studie ist Stephan Eisel. Lesen Sie mehr…
23. Nov 2017

Mit 10 Mio Euro unterstützt NRW das Beethoven-Jubiläum

und stärkt damit die Jubiläums-GmbH BTHVN2020. Stephan Eisel begrüßte für die BÜRGER FÜR BEETHOVEN diese Festlegung im Entwurf des Landeshaushaltes 2018: ": „Leider hatte die letzte Landesregierung ihre verbalen Bekenntnisse zur Bedeutung des Beethoven-Jubiläums nie finanziell konkretisiert. Es ist gut, dass sich das jetzt endlich ändert. Dass das Beethoven-Jubiläumsjahr zugleich im Haushaltsentwurf ausdrücklich als „das in den nächsten Jahren wichtigste Musikereignis in Nordrhein-Westfalen“ bezeichnet wird, unterstreicht, dass man in Düsseldorf die weltweite Bedeutung des 250. Geburtstages von Beethoven erkannt hat.“  Lesen Sie mehr…
13. Nov 2017

Den 250. Hochzeitstag von Beethovens Eltern

am 12. November feierten die BÜRGER FÜR BEETHOVEN mit einem Hochzeitskaffeeschmaus mit Musik und Zeitzeugenberichten im Restaurant Bon(n)gout am Remigiusplatz.  Lesen Sie mehr…
27. Okt 2017

Ludwig van Beethoven wird Namensgeber für einen ICE -

das hat die Deutsche Bahn dem Vorsitzender der BÜRGER FÜR BEETHOVEN Stephan Eisel mitgeteilt. Damit ist eine Aktion von Erfolg gekrönt, die der Verein bereits vor zwei Jahren auf den Weg gebracht hat. Lesen Sie mehr…
18. Okt 2017

Ein großes Beethoven-Fassadengemälde begrüßt die Bonn-Besucher

am Bahnübergang Weberstraße kurz vor dem Hauptbahnhof. Erstellt hat das 8 x 13 Meter große "Mural" der 27-jährigen Graffiti-Künstler "Aphe" alias Sven Oliver Hollatz. Die Bonner Bürgerin Edith Bosau hat als neues Mitglied der BÜRGER FÜR BEETHOVEN das Projekt als besonderes Bürgergeschenk initiiert. Der Vorsitzende Stephan Eisel bedankte sich: "Es sind genau solche bürgerschaftlichen Initiativen, die wir brauchen um Bonn als Beethovenstadt zur profilieren.  Dabei beschreibt der Titel des Kunstwerks "Die Stadt bewegt ihn und er bewegt die Stadt“  treffend Beethovens Heimatverbundenheit und gibt zielsicher die Richtung an, in die Bonn als Beethovenstadt gehen muß." Lesen Sie mehr…
16. Okt 2017

Bei der Mitgliederversammlung am 12. Oktober 2017 haben

die BÜRGER FÜR BEETHOVEN den Beschluss gefasst, sich im Falle eines Neubaus der Oper für einen integrierten Konzert- und Opernsaal einzusetzen. Der frühere Projektleiter für ein Beethoven-Festspielhaus Heiner Küpper wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Im Rahmen des Rechenschaftsberichts des vorstandes wurde dann vor allem über die Vorbereitungen zum Beethoven-Jubiläums diskutiert. Lesen Sie mehr…
23. Sep 2017

Jeder kann mithelfen, einen neuen ICE auf LUDWIG VAN BEETHOVEN

zu taufen. Die Deutsche Bahn hat die Bevölkerung jetzt aufgerufen, für die neuen Züge Namensvorschläge zu machen. "Wir möchten an Menschen aus Deutschland erinnern, die inspirierend waren." Vorschläge können bis zum 7. Oktober 2017 im Internet eingereicht werden. Dazu klicken Sie bitte hier. Lesen Sie mehr…
16. Sep 2017

Erstmals hat es Beethoven in die Regierungserklärung eines

nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten geschafft. Armin Laschet sagte: "Beethoven war ein Künstler, der zu unserem Nordrhein-Westfalen passt. Er stand für eine europäische Gesellschaft im Aufbruch und wies seiner Zunft den Weg in die Moderne. Seine Musik steht für Vielfalt, für Nachhaltigkeit, das Streben nach gesellschaftlicher Veränderung und die Freiheit der Künste. Beethoven ist der perfekte Botschafter für unser Land.“  Lesen Sie mehr…