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Der weltweit erste Beethoven-Kreißsaal entsteht in Bonn

im neuen Eltern-Kind-Zentrum (ELKI) im Bonner Universiätsklinikum (UKB). Dort Kinderheilkunde, vorgeburtliche Medizin und Geburtshilfe unter einem Dach vereint. Der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKB Professor Holzgreve hatte die Idee zum Geburtsraum Beethovens Namen zu geben. Die BÜRGER FÜR BEETHOVEN steuern dazu Ideen bei. Der Vorsitzende Stephan Eisel erklärte beim Richtfest die Hintergründe.
Der weltweit erste Beethoven-Kreißsaal entsteht in Bonn
Beim Richtfest sprachen Prof. Wolfgang Holzgreve, Landesminister Michael Groschek, Stephan Eisel, Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Eckhart von Hirschhausen (v.l.n.r.)

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

 

Weltweit erster Beethoven-Kreißsaal in Bonn

Beim Richtfest für das neue Eltern-Kind-Zentrum (ELKI) im Universitätsklinikum Bonn am 20. März 2017 erklärte  Stephan Eisel  als Vorsitzender der BÜRGER FÜR BEETHOVEN, warum dort,  wo Kinderheilkunde, vorgeburtliche Medizin und Geburtshilfe unter einem Dach vereint werden, der weltweit erste „Beethoven-Kreißsaal“ gebaut wird: 

„Freude schöner Götterfunken“ - gibt es eigentlich eine bessere Begrüßung für einen neuen Erdenbürger als die Textzeile, die wir alle mit der Melodie Beethovens singen können - und was liegt deshalb näher als dem neuen Kreißsaal hier im künftigen Eltern-Kind-Zentrum den Namen Beethoven-Kreißsaal zu geben. 

Beethoven ist auch der richtige Namensgeber für diesen neuen Bonner Kreißsaal,  weil er bekanntlich nicht nur hier in Bonn geboren ist, sondern 22 Jahre hier gelebt und gearbeitet hat: länger als Mozart in Salzburg oder Wagner in Bayreuth. 

Schon Robert Schumann hat 1836 in seinem Aufruf für ein Beethoven-Denkmal in Bonn einleuchtend begründet, warum Bonn als Beethovenstadt wichtiger ist als Wien. Schumann schrieb „Beide haben ein Recht, er steht in beider Kirchenbüchern; der Rhein nennt sich die Wiege, die Donau (der Ruhm ist freilich traurig) seinen Sarg.“ 

Weil die Wiege eindeutig erfreulicher ist als der Sarg und der Geburtsort als Heimat das Leben mehr prägt als der Friedhof,  ist es auch völlig einleuchtend und schlüssig – ja sogar zwingend, dass nicht nur das weltweit erste Beethoven-Denkmal in Bonn errichtet wurde und sondern hier in Bonn auch der weltweit erste Beethoven-Kreissaal entsteht – sozusagen als legitimer Zwilling von Beethovens Geburtszimmer in der Bonngasse. 

„Freude schöner Götterfunken“ – diese Textzeilen stammen zwar von Friedrich Schiller, aber ihre weltweite Verbreitung haben sie durch Beethovens Musik gefunden. Hier in Bonn hat Beethoven das 1785 veröffentlichte Gedicht kennengelernt und in Bonn hat er beschlossen, es auch zu vertonen. 

Das wissen wir aus einem Brief des Bonner Juristen Bartholomäus Ludwig  Fischenich vom 26. Januar 1793 an Friedrich Schillers Frau Charlotte, die übrigens wie Beethovens Mutter auf dem Alten Friedhof in Bonn begraben ist. Fischenich schreibt in diesem Brief gerade einmal sieben Wochen nach dessen Abreise nach Wien über Beethoven: „Er wird auch Schillers Freude und zwar jede Strophe bearbeiten. Ich erwarte etwas vollkommenes, denn so viel ich ihn kenne, ist er ganz für das Große und Erhabene.“ 

Diese Vorhersage hat sich mit der 9. Sinfonie erfüllt. Der Schiller´schen Ode ist übrigens ein Satz vorangestellt, der aus Beethovens eigener Feder stammt: „O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen, und freudenvollere.“ 

Aber Ludwig van Beethoven passt zu diesem Eltern-Kind-Zentrum auch deshalb so gut, weil er neben der Freude, die er in seiner Musik so unvergleichlich zum Ausdruck bringen konnte, auch Schicksalsschläge durchlebte wie wenige andere. Wo Kinderheilkunde, vorgeburtliche Medizin und Geburtshilfe unter einem Dach vereint sind, werden solche Schicksalsschläge nicht ausbleiben und wie bei Beethoven Freud und Leid eng beieinander liegen. 

Beethoven wurde 1770 auf den Namen „Ludwig“ getauft, weil im Jahr zuvor das gleichnamige erste Kind von Johann und Maria Magdalena van Beethoven nur sechs Tage nach der Geburt verstorben ist. Auch drei seiner fünf jüngeren Geschwister verstarben im Säuglingsalter. Ludwig hat das als acht-, zwölf und siebzehnjähriger erlebt. 

Dass Beethovens zweite Lebenshälfte zunehmend von Krankheit geprägt wurde wissen wir alle. Vor allem die zunehmende Taubheit war für ihn als Musiker eine existenzielle Bedrohung und trieb ihn in tiefe Verzweiflung. 1802 wollte er deshalb im Alter von 32 Jahren seinem Leben ein Ende setzen und schrieb das sog. „Heilgenstädter Testament“. Darin heißt es: 

„O ihr Menschen die ihr mich für Feindselig störisch oder Misantropisch haltet oder erkläret -  wie unrecht thut ihr mir, ihr wißt nicht die geheime ursache von dem, was euch so scheinet …

… mit einem feurigen Lebhaften Temperamente gebohren selbst empfänglich für die Zerstreuungen der Gesellschaft, muste ich früh mich absondern, einsam mein Leben zubringen, …

…es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben – nur sie die Kunst, sie hielt mich zurück, ach es dünkte mir unmöglich, die Welt eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich aufgelegt fühlte...

 ...emphelt euren Kindern Tugend, sie nur allein kann glücklich machen, nicht Geld, ich spreche aus Erfahrung, sie war es, die mich selbst im Elende gehoben, ihr Danke ich nebst meiner Kunst, daß ich durch keinen selbstmord mein Leben endigte –„ 

Welch bewegenden und dramatischen Sätze. Dass Beethoven diesen Tiefpunkt in seinem Leben überwunden hat und trotz seiner schweren körperlichen Behinderung mit seiner Musik so Großes bewirkte, ist ein beeindruckendes Beispiel, die Hoffnung auch im Leid nicht aufzugeben. Oder um es mit den Worten Beethovens zu sagen: „Die Hoffnung nährt mich, sie nährt ja die halbe Welt, und ich habe sie mein Lebtag zur Nachbarin gehabt, was wäre sonst aus mir geworden?“ 

Und zugleich der Humanist Beethoven ein Leitbild entworfen, dass  fast maßgeschneidert ist für dieses Eltern-Kind-Zentrum: „Tugend und Kunst“ sind das Lebenselexier und gehören deshalb auch an diesen Ort.  Wie sagte Beethoven so treffend: „Was wir durch die Kunst erwerben, das ist von Gott, göttliche Eingebung, die den menschlichen Befähigungen ein Ziel steckt, das der Mensch erreicht.“ 

Es entspricht dem Geist Beethovens, dass die Konzeption dieses Eltern-Kind-Zentrums buchstäblich „Sinne und Verstand“ zusammen führt – übrigens auch durch die Nähe zum Wald, zur Natur, zu der uns Beethoven den Rat gibt: „Blicke in die schöne Natur und beruhige dein Gemüt über das Müssende.“ 

Es geht nicht nur um das „Müssende“, um Funktionalitäten, so unverzichtbar diese auch sind, sondern um das, was über das Funktionelle und Materielle hinausgeht. Dafür sollen wir unseren Verstand einsetzen - wie es einmal Beethoven einmal  scharfzüngig auf den Punkt gebracht hat:

 

Er erhielt am Neujahrstag 1823 eine Neujahrskarte von seinem im Nachbarhause wohnenden Bruder Johann, der kurz zuvor ein Landgut gekauft hatte. Im Materiellen gefangen unterschrieb er seinen Neujahrsgruß mit 'Johann van Beethoven - Gutsbesitzer.' Ludwig schickte die Karte sogleich zurück und schrieb auf die Rückseite:  „Ludwig van Beethoven – Hirnbesitzer“. 

In diesem Sinne wünsche dem ELKI mit seinem Beethoven-Kreißsaal einen weiter erfolgreichen Weg vom heutigen Richtfest bis zur Einweihung – vielleicht ja an Beethovens Tauftag am 17. Dezember 2018.

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