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"MEHR ABRISS WAGEN" ist der Titel eines lesenswerten Aufsatzes

16. November 2010
von Alan Posener in der Welt am Sonntag. Er kritisiert die Proteste gegen Neubauten, die die Nachkriegsarchitektur unter Naturschutz stellen wollen. Es sei ironisch, dass von der "inzwischen vorherrschenden antiquarischen Stimmung" ausgerechnet Bauten der Nachkriegsmoderne profitiere, "die unbarmherzig mit ihren Vorgängern aufräumte". Posener geht dabei auch ausführlich auf die Beethovenhalle-Debatte ein.
"MEHR ABRISS WAGEN" ist der Titel eines lesenswerten Aufsatzes

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Zur Bonner Debatte heisst es in dem Aufsatz vonm Alan Posener in der Welt am Sonntag:

"In Bonn wollten Telekom, Post und Postbank ein neues Festspielhaus sponsern und dafür die Beethovenhalle von Siegfried Wolske (1959) abreißen lassen. Nach Bürgerprotesten ist das Projekt ausgesetzt worden. Glaubt man den Abrissgegnern, handelt es sich bei Wolskes Beethovenhalle um ein Jahrhundertbauwerk. Doch der damals erst 29 Jahre alte Schüler des großen Hans Scharoun hat mitnichten etwas geschaffen, das etwa mit Scharouns Berliner Philharmonie zu vergleichen wäre.

Dramatisch am Rheinufer positioniert, zeigt der Bau dem Fluss die kalte Schulter und versteckt sich hinter einer Grasböschung. Der Stadt streckt die Beethovenhalle einen langen, gläsernen Finger entgegen, in dem die Garderoben untergebraucht sind. Das Foyer ist hübsch, wird jedoch verhunzt durch mobile Champagner- und Würstchenbars. Der Konzertsaal aber mit seinem flachen Fußboden und dem zu hohen Podest sieht aus wie eine beliebige Mehrzweckhalle. Die miserable Akustik wird seit Jahren von Musikern kritisiert. Hier finden Abiturbälle, Computermessen und Pathologenkongresse statt. Damit - und nicht etwa mit Beethoven und Co. - macht die Halle ihr Geld. In dem geplanten, ausschließlich auf Konzert und Theater ausgerichteten Neubau wären solche Veranstaltungen vermutlich nicht möglich; aber die prämierten Entwürfe "Der Diamant" von Zaha Hadid und "Die Wellen" von Hermann & Valentiny sind so wunderschön, dass es einem Kulturfrevel gleichkäme, nicht einen davon zu realisieren - und zwar dort, wo jetzt der Wolske-Bau steht, denn für beide ist die Öffnung zum Rhein hin für die Wirkung entscheidend. Klar ist das "Event-Architektur" - und zwar vom Feinsten. Architektur, die kein Ereignis sein will, kann man für Büros und Banken verwenden."

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