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Die dramatischen Mängel in der Beethovenhalle hat die Intendantin

18. Oktober 2010
des Beethovenfestes, Ilona Schmiel, bei einer Führung erläutert, zu der die BÜRGER FÜR BEETHOVEN in die alte Mehrzweckhalle eingeladen haben. Es kamen mehr als dreimal soviele Bürger als zu den Führungen derer, die die Beethovenhalle als Baudenkmal stilisieren - und die Bürger waren entsetzt über das, was sie hörten. Hier finden Sie die Berichte in Generalzeiger und Rundschau.
Die dramatischen Mängel in der Beethovenhalle hat die Intendantin
Foto: Lannert, Generalanzeiger

Generalanzeiger 16.10.2010

Bürger für Beethoven sind entsetzt

Von Bettina Köhl

Bonn. Die Zuschauerperspektive kennen die Mitglieder des Fördervereins "Bürger für Beethoven" nur zu gut. Am Donnerstagabend erlebten sie die Beethovenhalle von einer neuen Seite. 75 Teilnehmer trafen sich zu einem Rundgang mit Beethovenfest-Intendantin Ilona Schmiel am Bühneneingang.

Rundgang durch die Beethovenhalle: Auf der Bühne erläutert Intendantin Ilona Schmiel die Mängel. Foto: Volker Lannert

"Sie gehen den Weg, den die Künstler gehen", erläuterte Schmiel. Mit eigenen Augen sollten die Förderer sehen, was die Beethovenfest-Macher Anfang der Woche meinten, als sie "unzumutbare Zustände" in der Halle beklagten.

Schmiel forderte, dass bis Frühjahr 2011 Klarheit herrschen müsse, was mit der Beethovenhalle passieren soll. Sie setzt sich auch nach dem Ausstieg der Telekom aus dem 100 Millionen Euro Projekt für den Neubau eines Festspielhauses ein, um das Beethovenfest konkurrenzfähig zu machen und die großen Stars in die Stadt zu holen.

"Sind Stadtverwaltung, Oberbürgermeister und Post für das Projekt, dann könnte man das Geld von Bund und Land reaktivieren", meint die Intendantin.

Die Besuchergruppe schob sich zunächst durch einen schmalen Gang mit Rohren unter der Decke zum Treppenhaus und stieg gut zwei Stockwerke hoch zu den Garderoben der Solisten. Die Kommentare der Teilnehmer reichten von "wenig einladend" über "eine absolute Kränkung" bis hin zu "ich bin völlig entsetzt" und "unglaublich".

"So sah meine Studentenbude vor fast 50 Jahren aus", sagte eine Frau mit Blick in einen der kleinen, spärlich möblierten Räume. "Heute sind eigene Duschen und Toiletten für die Solisten Standard", sagte Schmiel. Die Stadt habe zwar in die Orchestergarderoben investiert und auch die Räume der Solisten seien so gut wie möglich hergerichtet worden. Schmiel fasst das aber unter den Begriff "Schadensbegrenzung".

Das völlig verschrammte Parkett auf der Bühne findet die Intendantin nicht schlimm. "Jede Bühne der Welt hat irgendwann Patina." Problematisch sei, wenn der Bühnenaufzug ausfällt. "Große Solisten probieren zwei bis vier Flügel aus und entscheiden sich manchmal noch kurz vor dem Konzert, das Instrument zu wechseln", berichtete Schmiel.

Auch Scheinwerfer und Podeste ließen sich in der Beethovenhalle nur mühsam umbauen. "Wir müssen versuchen, diese Bedingungen extrem zu verbessern", sagte Ilona Schmiel. "Wenn wir innerhalb der nächsten zwei Jahre keine positive Entwicklung hinkriegen, geht es für alle bergab."

Bonner Rundschau 16. 10. 2010

Der Treppenlauf des Sir Neville Marriner

Von Bernward Althoff

Am 14. Oktober begaben sich 75 Mitglieder des Vereins „Bürger für Beethoven" auf die Spuren von Sir Neville Marriner und ließen sich von Ilona Schmiel die Beethovenhalle einmal zeigen, wie sie ein normaler Konzertbesucher nicht zu sehen bekommt.

Bügeln Mit Mit der linken Hand im Solistenzimmer Trillerketten üben und mit der rechten gleichzeitig die Bluse oder das Frackhemd aufbügeln - ein Service, den nur die Beethovenhalle Bonn bietet. (Bild: Matthias Kehrein) 

BONN - Sir Neville Marriner, der am 9. Oktober mit der Academy of St. Martin in the Fields das Abschlusskonzert des Beethovenfestes dirigierte, ist 86 Jahre alt und nach Aussage von Intendantin Ilona Schmiel noch „topfit". Dass muss Sir Neville aber auch sein, um in sein Dirigentenzimmer in der Beethovenhalle zu kommen. Über die nicht gerade einladende Anliefererrampe an der Rückseite der Halle führt ihn der Weg durch einen engen Flur, dann eine steile Treppe empor, dann rechts, dann wieder steil treppab - und dann hat Sir Neville sein neun Quadratmeter großes Zimmerchen erreicht und kann sich auf seinen Auftritt vorbereiten. Aufzug? Fehlanzeige! Der einzige Aufzug der Halle dient dem Transport der Konzertflügel auf die Bühne und hat eine Ausfallquote von 50 Prozent, wie Ilona Schmiel jüngst in ihrer Mängelliste aufführte.

Am Donnerstagabend begaben sich 75 Mitglieder des Vereins „Bürger für Beethoven" auf die Spuren von Sir Neville Marriner und ließen sich von Ilona Schmiel die Beethovenhalle einmal zeigen, wie sie ein normaler Konzertbesucher nicht zu sehen bekommt.

Ilona Schmiel fasste die Fakten zusammen: „Es wurde in früheren Jahrzehnten versäumt, die Halle den technischen Anforderungen einer modernen Konzerthalle anzupassen. Darüber hinaus verfügen moderne Konzerthallen über ,Komfortzonen, die Stardirigenten, Solisten und Orchester nun mal erwarten." Zuvor präzisierte sie nochmals die Unzulänglichkeiten:

Klimaanlage: zu schwach, lasse auf der Bühne Temperaturen von mehr als 30 Grad zu. US-Orchester werden wohl nicht mehr in die Beethovenhalle kommen, da sie in den USA bei garantierten 19 Grad Maximaltemperatur spielen.

Beleuchtung: auf der Bühne zwar verbessert, aber nicht im Zuschauerraum.

 

Bühnenpodien: uralt, entsprächen nicht mehr dem Standard moderner Konzerthallen. In Bonn müssen die einzelnen Segmente bei Umstellungen in Proben und Konzertpausen mühsam von Hand ausgeführt werden, was sehr zeitaufwändig ist. In Köln und anderswo wird das maschinell ruckzuck erledigt.

Akustik: größter Schwachpunkt der Halle. Die Decken seien zu niedrig für einen Konzertsaal dieser Größe, was der Akustik abträglich sei. Ilona Schmiel ergänzt: „Man könnte durch eine Anhebung der Sitzreihen nach hinten eine Verbesserung erhalten, das kostet aber Millionen!" Wie überhaupt nach ihrer Überzeugung eine Komplettsanierung der Halle, die die Stadt alleine aufbringen müsste, fast so teuer käme wie der Neubau eines modernen Konzerthauses.

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