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Ein erkennbares Bonner Profil bei Beethoven 2020 forderte

13. September 2015
der Vorsitzende der BÜRGER FÜR BEETHOVEN Stephan Eisel in seiner Rede beim traditionellen Mitgliederempfang zum Beethovenfest 2015 und zitierte dabei Franz Liszt: „Eine kleine Stadt kann das Glück haben, dass ein großer Mann in ihr das Licht der Welt erblickt; aber kleinstädtisch darf sein Andenken nicht gefeiert werden.“
Ein erkennbares Bonner Profil bei Beethoven 2020 forderte

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

 

Stephan Eisel 

„ … aber kleinstädtisch darf sein Andenken nicht gefeiert werden“ 

Plädoyer für ein Bonner Profil bei „Beethoven 2020“

(Rede des Vorsitzenden der BÜRGER FÜR BEETHOVEN beim Mitgliederempfang zum Beethovenfest 2015) 

Fast auf den Tag genau heute vor drei Monaten wurden wir Zeuge einer Tragödie für die Beetho­venstadt Bonn – denn wer könnte bezweifeln, dass das Ende des Projektes Festspielhaus eine wirk­liche Tragödie ist. Jeder Konzertbesuch in dieser alten Mehrzweckhalle führt uns Augen: Wie könn­te die herausragende Musik, die wir hier gerade während des Beethovenfestes hören, erstrahlen, wenn ihr der richtige Raum zum Erklingen geboten würde. Es kommt ja auch niemand auf Idee, die Bilder von August Macke in der Tiefgarage des Stadthauses auszustellen. 

Sargnägel für das Festspielhaus waren eine orientierungslose Stadtspitze mit einem fast demonstra­tiv zögerlichen Oberbürgermeister und Kulturdezernenten, ein ängstlicher Stadtrat ohne Mut zur Perspektive für die Beethovenstadt und alle in der Stadt, die lieber von der Zuschauertribüne kom­mentierten als auf dem Spielfeld Position zu beziehen. 

Auch wenn es nicht zum Erfolg geführt hat, gebührt den vielen Bürgern Dank, die sich mit Zeit und Geld für das große Ziel eingesetzt haben. Wir haben einen Rückschlag erlitten, aber wir geben nicht auf: Das Thema Konzertsaal bleibt auf der Tagesordnung der Beethovenstadt. 

Aber einstweilen müssen wir uns mit Provisorien wie dieser alten Mehrzweckhalle und einem um ein Orchesterpodium erweiterten Tagungsaal abfinden. Durch die Festspielhausgegner und – zaude­rer hat Bonn über 120 Mio Euro verloren. Das ist eine Katastrophe für die Finanzen der Stadt und den Bonner Steuerzahler angesichts der mil­liardenschwerden Schulden. Denn natürlich hat die Stadt die 70, 80, 90 Mio Euro nicht, die man bräuchte um die Beethovenhalle konzerttauglich zu machen. Schauen wir also der Realität ins Auge: Zum 250. Geburtstag Beethovens bleibt die seine Geburtsstadt ohne Konzertsaal – was für eine Blamage ! 

Umso mehr kommt es beim Beethovenjahr 2020 jetzt auf die Inhalte an: Dabei müssen wir als Beethovenstadt die Chance nutzen, das Jubiläum mit eigenem Profil zu feiern, denn Bonn hat etwas zu bieten, was niemand sonst bieten kann:

Hier hat Beethoven 22 Jahre gelebt, genauso lange wie Mozart in Salzburg. Lassen wir uns von niemanden einreden, Beethovens Bonner Zeit sei nur eine Windel- und Kleinkind-Periode gewesen. Wer so etwas sagt, ignoriert wie sehr die ersten Jahrzehnte der Kindheit, der Jugend und des jungen Erwachsenen-Werdens jeden von uns prägen – und manche sind ja mit der Aufarbeitung ein ganzes Leben beschäftigt. 

Vor allem aber sollte niemand die Ergebnisse der Beethoven-Forschung ignorieren, die ihr Zen­trum ja auch hier in Bonn im international renommierten Beethovenhaus hat:

Bonn steht insbesondere für 

  • die Befassung mit Beethovens Familie, die ihn entscheidend prägte

  • Beethovens Bildung zur Persönlichkeit durch die Werte der Aufklärung

  • Beethovens lebenslangen Bonner Freundeskreis auch in Wiener Zeiten

  • wichtige berufliche Partner Beethovens aus Bonn wie den Verleger Simrock und den Musi­k-Impressario Salomon

  • und vor allem für Ausbildung als Musiker und Komponist. Hier lernte er das Handwerk des Orchestermusikers und reifte als Pianist 

Der erste große Beethoven-Biograph Alexander Wheelook Thayer, der noch mit Zeitzeugen spre­chen konnte, die Beethoven kannten, schrieb dazu: 

„Für uns bleibt das Ergebnis, daß Beethoven, als er von seiner Vaterstadt Abschied nahm, nicht bloß die Formen, in denen er schuf, namentlich die der Kammermusik, technisch beherrschte, son­dern auch seine künstlerische Eigenart entwickelt hatte. Man ist darüber nicht im Zweifel, daß hier nicht bloß Übung und Können, nicht bloß Nachahmung anderer Meister, sondern eine ausgeprägte Künstler-Individualität vor uns steht, die freilich ihrer vollen Ausgestaltung und Entwicklung noch harrt, die ihn aber sofort von andern unterscheidet und kenntlich macht.“ 

Übrigens hat auch eines der Werke, die wir nachher hören, Bonner Wurzeln: Die Chorfantasie ent­hält nämlich Variationen des Liedes “Gegenliebe“ (WoO 118) ,das Beethoven wenige Monate nach seiner Abreise aus Bonn komponierte. Der Text des Liedes stammt von Gottfried August Bürger, dessen Texte schon Beethovens Bonner Lehrer Christian Gottlob Neefe vertont hat. 

Die Melodie die Beethovens lag später auch dem Finale der 9. Sinfonie zugrunde. Und auch seine Befassung mit der „Ode an die Freude“ hat ihren Ursprung in Bonn. Schillers Gedicht erschien erstmals 1786. Der mit Schiller und Beethoven befreundete Bonner Jurist Bartholomäus Fischenich schrieb am 26. Januar 1793 an Schillers Ehefrau Charlotte (die übrigens auf dem Alten Friedhof in Bonn begraben ist) über ein Gespräch mit Beethoven: „Er wird auch Schiller’s Freude und zwar jede Strophe bearbeiten. Ich erwarte etwas vollkommenes, denn so viel ich ihn kenne, ist er ganz für das Große und Erhabene.“ 

In einem Wort: Beethoven in Wien ist ohne Beethoven in Bonn nicht denkbar. Man kann ein Haus nicht ohne Fundament bauen. Deshalb muss Beethoven 2020 ein klares Bonner Profil haben und dafür reicht eine Neuinszenierung von Fidelio oder ein open-air-Konzert auf der Hofgartenwiese nicht aus. 

Für das Beethoven-Jubiläum 2020 gilt, was schon im Aufruf von Bonner Bürgern für ein Beetho­ven-Denkmal im Jahr 1835 stand: „Die Stadt Bonn am Rheine, in welcher der unsterbliche Künstler das Licht der Welt erblickte ... scheint zu dem Unternehmen in gleicher Weise berechtigt wie ver­pflichtet...“ 

Oder um es mit den Worten von Franz Liszt zu sagen, der 1845 in einem Brief an den damaligen Bonner Oberbürgermeister ob dessen demonstrativer Beethoven-Ignoranz erbost schrieb: „Eine kleine Stadt kann das Glück haben, dass ein großer Mann in ihr das Licht der Welt erblickt; aber kleinstädtisch darf sein Andenken nicht gefeiert werden.“ 

Franz Liszt verdanken wir um übrigen eine weitere Bonner Einzigartigkeit, nämlich das älteste Beethovenfest der Welt.

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